2026-10-22 Wirtschaft

Strukturwandel in Görlitz: Neue Fördermittel für Net Zero Valley und städtische Schlüsselprojekte

Der Strukturwandel in der Lausitz basiert auf zwei getrennten Finanzierungswegen: Investitionsmittel fließen in bauliche Vorhaben, während nicht-investive Fördergelder personelle und organisatorische Vorbereitungen sichern. Aktuell fließen neue Bundes- und EU-Mittel sowohl in die Ansiedlung klimaneutraler Industrie in Görlitz als auch in lokale Gesundheits- und Energieprojekte.

Die Finanzierung im sächsischen Teil des Reviers teilen sich der Bund, der Freistaat Sachsen und die Europäische Union. Das Investitionsgesetz Kohleregionen (InvKG) finanziert vorrangig Gebäude und technische Infrastruktur. Das seit 2020 laufende Bundesprogramm STARK (Stärkung der Transformationsdynamik und Aufbruch in den Revieren und an den Kohlekraftwerkstandorten) übernimmt die nicht-investiven Kosten wie Wissenstransfer, Vernetzung und Planungsverfahren.

Für die Landkreise Görlitz und Bautzen stehen über das STARK-Programm insgesamt rund 361 Millionen Euro bereit. Davon sind bisher 146 Millionen Euro bewilligt. Im Oktober 2026 gab das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) eine weitere Tranche von sieben Millionen Euro für die Region frei.

Aus diesem Paket erhält der Landkreis Görlitz 1,1 Millionen Euro. Das Geld finanziert Aufbau und Betrieb der sächsischen Geschäftsstelle für das Projekt „Net Zero Valley Lausitz“. Grundlage ist der Net-Zero-Industry-Act der Europäischen Union, der die europäische Produktion CO₂-freier Technologien stärken soll. Das Projekt bündelt elf Gewerbe- und Industriegebiete in den Landkreisen Görlitz, Bautzen und Spree-Neiße zu einer Sonderwirtschaftszone für klimaneutrale Produktion. In der Görlitzer Geschäftsstelle arbeiten zwei Beschäftigte, zwei weitere sind am Standort Cottbus tätig. Ihr Auftrag ist es, Genehmigungsverfahren auf Bundesebene zu koordinieren und zu beschleunigen.

Die übrigen Mittel der Sieben-Millionen-Euro-Tranche teilen sich auf zwei weitere Vorhaben auf: Die TU Dresden erhält 5,2 Millionen Euro für das Smart Mobility Lab in Schwarzkollm. Ein Projektteam im Spreewald bekommt rund 750.000 Euro für die touristische Vermarktung der fünf Lausitzer Unesco-Welterbestätten.

Parallel zu den STARK-Geldern laufen in Görlitz mehrere bauliche Großvorhaben über gesonderte Förderprogramme:

  • Städtisches Klinikum Görlitz: Das Klinikum erhält aus dem InvKG zwei Teilbewilligungen über 1,76 Millionen Euro und 9,26 Millionen Euro (insgesamt 11,02 Millionen Euro) für den Ausbau medizinischer Fachbereiche und der Versorgungsstrukturen.
  • Construction Future Lab (CFLab): Das Forschungsinstitut für automatisierte und digitalisierte Bauprozesse wird mit Mitteln aus dem Kohleausstieg in Görlitz aufgebaut.
  • Fernwärmeprojekt „United Heat“: Die gemeinsame Dekarbonisierung der Fernwärmenetze von Görlitz und Zgorzelec wird über die EU-Fazilität „Connecting Europe“ (CEF Energy) mit 81,4 Millionen Euro gefördert. Geplant sind Großwärmepumpen, Solarthermie, Biomasse und Speicheranlagen.
  • Forschungszentrum CircEcon: Das Verbundprojekt sächsischer Hochschulen zur Kreislaufwirtschaft umfasst ein Gesamtvolumen von über 108 Millionen Euro aus InvKG-Mitteln.


Das STARK-Programm deckt die administrativen und planerischen Vorarbeiten für Industrieansiedlungen ab. Das Investitionsgesetz Kohleregionen und die europäischen Förderprogramme schaffen zeitgleich die physische Infrastruktur. Beide Stränge sichern die Einbindung der Stadt Görlitz in den wirtschaftlichen Umbau der Oberlausitz.

Quelle: 1.

Das Wappen der Stadt Görlitz
Stadt Görlitz

Görlitz ist die östlichste Stadt Deutschlands und Sitz des Landkreises Görlitz. Die sechstgrößte Stadt des Freistaates Sachsen liegt in der Oberlausitz an der Lausitzer Neiße. Heute zählt die Stadt rund 57.000 Einwohner. Als familiengerechte Stadt der Generationen fördert die Große Kreisstadt Görlitz ein Umfeld, in dem Menschen gern leben und ihren Lebensmittelpunkt finden.

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