Das Ziel der Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH (EGZ) ist die Förderung von Wachstum und Image des Wirtschafts- und Tourismusstandorts Görlitz. Die Umsetzung dieser Unternehmensziele erfolgt in den drei Themenschwerpunkten Wirtschaftsförderung, Tourismusförderung sowie Standortmarketing. Die Europastadt GmbH ist als effizienter Dienstleister fest im Gefüge des Standorts verankert und wirkt in lokalen, regionalen und überregionalen Netzwerken im Sinne der Gesamtentwicklung mit. Die GmbH ist eine 100%ige Gesellschaft der Stadt Görlitz.
Grenzüberschreitende Energiegemeinschaften im Fokus
Am 17. September 2026 fanden in den Seminarräumen am Demianiplatz 56 in Görlitz Workshops im Rahmen des Projekts „Energizing Borders“ statt, das eines der im Rahmen der europäischen Initiative „Crossborder Energy Communities“ (CBEC) ausgewählten Pilotprojekte für das grenzüberschreitende Gebiet Görlitz und Zgorzelec darstellt. Die Veranstaltung wurde vom Projektkonsortium vorbereitet, wobei auf deutscher Seite die Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH und die Entwicklungsgesellschaft Niederschlausische Oberlausitz (ENO) als Gastgeber und Organisatoren fungierten.
Ablauf der Veranstaltung und thematische Schwerpunkte
Nach der Begrüßung durch Per Wiesner und Dr. Marek Jaskólski skizzierte Dirk Vansintjan (REScoop.eu) die europäische Perspektive der Energiegemeinschaften. Er betonte, dass die EU-Richtlinien die Bürger in den Mittelpunkt der Energiewende stellen, der Grad der Umsetzung dieser Vorschriften in den Mitgliedstaaten jedoch stark variiert; während Österreich und die Niederlande günstige Rahmenbedingungen schaffen, stoßen Polen, Schweden und Finnland auf systemische Hürden.
Anknüpfend an die nationalen Gegebenheiten erörterte Joanna Tokarczuk (STORIE) den Betrieb polnischer Energiecluster, die auf der Zusammenarbeit von Kommunen und Unternehmen ohne obligatorische Beteiligung von Privatpersonen basieren. Sie verwies dabei auf verfahrenstechnische Schwierigkeiten und Einschränkungen beim direkten Energieaustausch, mit denen das von Kommunen umgesetzte Projekt eines virtuellen Kraftwerks konfrontiert ist.
Ein zentraler Punkt der Tagung war der Vortrag der Vertreterinnen der Deutschen Energie-Agentur (DENA); Claire Gauthier und Luise Maschlanka , die die detaillierten Ergebnisse einer 50-seitigen rechtlichen Analyse vorstellten, welche als direkter Bestandteil im Rahmen des Projekts „Energizing Borders“ erarbeitet wurde. Die Expertinnen zeigten die Diskrepanzen zwischen dem deutschen System (das u. a. eine Mehrheit der Stimmrechte von Privatpersonen in einem Umkreis von 50 km erfordert) und dem polnischen System (das auf das Gebiet eines VNB beschränkt ist) auf, welche einen direkten physischen Stromaustausch über die Grenze hinweg unmöglich machen. Als Ergebnis wurde ein schrittweises Vorgehen (walk before you run) empfohlen, das auf dem Aufbau von Strukturen basierend auf Wissens- und Ressourcenaustausch sowie dem Testen von Lösungen in nationalen Reallaboren beruht.
Als Vertiefung der Schlussfolgerungen im Hinblick auf eine praktische Umsetzung diente der Beitrag von Stefan Schwind (Next2Sun / Deutsch-Polnischer Windenergie-Club), der auf die Notwendigkeit der Professionalisierung des EE-Sektors hinwies. Als Antwort auf Stromüberschüsse und das Fehlen traditioneller Industrie in der Grenzregion schlug er die Verknüpfung lokaler Wind- und Photovoltaikanlagen mit geplanten Rechenzentren (data centers) vor, unterstützt durch Energiespeicher und stabile Anbindungen an die Übertragungsnetzbetreiber (50Hertz und PSE).
Zukunftsperspektiven der Zusammenarbeit
Die durchgeführten Workshops haben bewiesen, dass trotz komplexer regulatorischer und technischer Hürden ein intensiver Networking-Prozess und der Erfahrungsaustausch zwischen polnischen und deutschen Partnern ein solides Fundament für zukünftige Initiativen bilden. Die versammelten Experten waren sich einig, dass die Beschleunigung der Energiewende keine Frage der Ideologie, sondern der Ökonomie und der Energiesicherheit ist. Die Offenheit für die Erarbeitung gemeinsamer Handlungsmodelle und die für das kommende Jahre geplante grenzüberschreitende Projekte lassen optimistisch auf die Entwicklung einer Partnerschaft blicken, die in Zukunft zu realen Umsetzungen und einer starken Struktur der energetischen Zusammenarbeit in der Grenzregion führen kann.
Fotos und Präsentationen wurden unter folgendem Link zur Verfügung gestellt: https://blog.wirtschaft-goerlitz.de/strukturentwicklung/664-grenzueberschreitende-energiegemeinschaften-im-fokus
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