Das Ziel der Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH (EGZ) ist die Förderung von Wachstum und Image des Wirtschafts- und Tourismusstandorts Görlitz. Die Umsetzung dieser Unternehmensziele erfolgt in den drei Themenschwerpunkten Wirtschaftsförderung, Tourismusförderung sowie Standortmarketing. Die Europastadt GmbH ist als effizienter Dienstleister fest im Gefüge des Standorts verankert und wirkt in lokalen, regionalen und überregionalen Netzwerken im Sinne der Gesamtentwicklung mit. Die GmbH ist eine 100%ige Gesellschaft der Stadt Görlitz.
Erster Workshop zum Pilotprojekt „Energizing Borders“ diskutiert Chancen und Barrieren
Erster Workshop zum Pilotprojekt „Energizing Borders“ diskutiert Chancen und Barrieren
Der erste binationale Workshop im Rahmen des EU-Pilotprojekts „Energizing Borders: Building Awareness, Identifying Opportunities“ liegt hinter uns. Das zweisprachig geführte Treffen bot eine hervorragende Plattform für eine breite Repräsentanz von Unternehmen und Institutionen auf lokaler und regionaler Ebene aus Polen und Deutschland. Am fachlichen Dialog beteiligten sich Vertreter der Kommunalverwaltung, regionaler Entwicklungsgesellschaften, städtischer Betreiber, Technologieunternehmen sowie Akteure aus der Wissenschaft und dem zivilgesellschaftlichen Sektor - darunter die Hochschule Zittau/Görlitz, Think-Tanks und lokale Bürgerenergiegenossenschaften.
Nach der offiziellen Begrüßung durch Jarosław Gryza und einer Videobotschaft von Joanna Tokarczuk (STORIE) stellte Dr. Marek Jaskólski (Europastadt GörlitzZgorzelec GmbH) das Projektkonzept vor. Im Anschluss erläuterte Jarosław Gryza den zukunftsweisenden Ansatz des virtuellen Kraftwerks im Zgorzelecer Energiecluster, während Per Wiesner (Entwicklungsgesellschaft Niederschlesische Oberlausitz mbH – ENO) die deutsche Perspektive durch die Vorstellung des aktuellen Energiekonzepts für den Landkreis Görlitz einbrachte.
Regulatorische Barrieren erfordern ein Suchen nach neuen Wegen
Die interdisziplinäre Diskussion zur Analyse von Barrieren und Investitionspotenzialen machte deutlich, dass die größte Bremse für den Aufbau grenzüberschreitender Energiegemeinschaften (Cross-Border Energy Communities – CBEC) nicht im Mangel an technischem Know-how liegt. Die eigentliche Herausforderung sind vielmehr die starren und oft inkohärenten rechtlich-regulatorischen Rahmenbedingungen auf beiden Seiten der Grenze. Während das EU-Recht CBECs vorsieht, beschränkt sich das polnische Recht derzeit primär auf klassische zivilrechtliche Vereinbarungen oder lokale Energiegenossenschaften, die jedoch keine physische, grenzüberschreitende Energieübertragung erlauben.
Um diesen regulatorischen Stillstand langfristig zu überwinden, wurde die Möglichkeit erörtert, mittelfristig die Einrichtung einer grenzüberschreitenden „Reallabor-Struktur“ (Regulatory Sandbox) für Forschungs- und Pilotzwecke anzustreben. In einem solchen geschützten Rahmen könnten neue Ansätze; wie das Miteigentum an Erzeugungsanlagen, flexibel evaluiert werden.
Die „Quasi-CBEC“ als denkbares Übergangsmodell
Da eine voll funktionsfähige, grenzüberschreitende Energiegemeinschaft im aktuellen Rechtsrahmen eine Zukunftsvision bleibt, rückte während der Diskussion die Option eines Übergangsorganismus in den Fokus: die sogenannte „Quasi-CBEC“. Dieses theoretische Modell sieht vor, bestehende, parallele Strukturen auf beiden Seiten der Grenze (wie bestehende Genossenschaften oder Verbände) rein vertraglich und organisatorisch so zu verknüpfen, dass sie bereits im Vorfeld auf Ebene des Datenmanagements, der Bilanzierung und der gemeinsamen Investitionsplanung kooperieren könnten. Auch ohne den unmittelbaren physischen Stromfluss über die Grenze hinweg könnte dieser Zwischenschritt eine wertvolle Option sein, um Geschäftsmodelle zu erproben und Vertrauen bei Bürgern sowie potenziellen Investoren aufzubauen.
Finanzierungsszenarien
Für die Finanzierung grenzüberschreitender Innovationslösungen wurde die Option diskutiert, eine Profilierung für das EU-Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon Europe zu prüfen, wofür eine engere wissenschaftliche Begleitung – beispielsweise durch die Hochschule Zittau/Görlitz und Politechnika Wrocławska, denkbar wäre.
Auf polnischer Seite könnten zudem regionale Fördermittel des WFOŚiGW in Wrocław eine Rolle spielen. Auf deutscher Seite bieten die operativen und bankenspezifischen Mechanismen des Kommunal- und Finanzsektors (z. B. SAB/KfW) interessante Ansätze, deren Übertragbarkeit auf den grenzüberschreitenden Kontext jedoch genau geprüft werden muss. Da klassische staatliche Einspeisevergütungen keine dauerhafte Planungssicherheit bieten, wurden auch Marktmodelle wie die Beteiligung privater Projektentwickler mit bestehenden EE-Anlagen oder die Mobilisierung von Bürgerkapital über Crowdfunding-Konzepte als rein optionale Bausteine erörtert.
Ausblick: Erarbeitung eines ersten Wegweisers
Strategisch vorteilhaft könnte sich im Vergleich zum Wärmesektor die tendenziell höhere Symmetrie der Ziele im Stromsektor sowie die geringere infrastrukturelle Komplexität der Netze erweisen. Die im Rahmen des Workshops gesammelten Impulse und Perspektiven dienen nun als Arbeitsmaterial, um einen ersten unverbindlichen Wegweiser (Roadmap) für mögliche künftige Schritte zu skizzieren.
Wir danken allen Teilnehmenden für ihren intensiven und fundierten Beitrag zur Diskussion. Die Vertiefung dieser offenen Fragestellungen und die Vorstellung der ersten Arbeitsergebnisse sind für den nächsten Workshop geplant, der am 17. September 2026 in Görlitz stattfinden soll.
Weitere Details zum EU-Pilotprogramm finden Sie unter: https://lnkd.in/eB_eaQdR
Kontakt: m.jaskolski@europastadt-goerlitz.de
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